Was hast du am 24. April 2013 gemacht?

Erinnerst du dich?

Ich kann dir sagen, was ich an diesem Tag gemacht habe: Zu dieser Zeit habe ich mich auf mein erstes juristisches Staatsexamen vorbereitet. Zur Kompensation des hin- und hergerissen Seins zwischen der Verantwortung als Mama und dem anspruchsvollen Studium (meine Kinder waren damals gerade 3 und 4 Jahre alt) habe ich ständig etwas Neues (hauptsächlich Kleidung) gekauft.

Wo und unter welchen Umständen diese Kleidung hergestellt wurde, war mir damals nicht wichtig. Wirklich zufriedener wurde ich dadurch allerdings auch nicht.
Ich kann dir ebenfalls sagen, was über 5.000 Menschen an diesem Tag in Bangladesch gemacht haben: Sie haben im Rana Plaza morgens ihren Dienst angetreten. Dies allerdings nicht freiwillig, denn an dem achtstöckigen Gebäude wurden tags zuvor große Risse entdeckt und man hatte Zweifel an der Standsicherheit des Gebäudes.

Diesen Umständen zum Trotz wurden die zahlreichen Textilarbeiter zur Aufnahme ihrer Arbeit gezwungen, um wichtige Aufträge großer Textilfirmen (darunter auch deutsche Hersteller) fertigzustellen. Den traurigen Ausgang dieses Tages kennen inzwischen viele, die Auswirkungen sind dennoch noch nicht groß genug. Das Gebäude stürzte an diesem Tag ein und begrub viele Menschen unter sich - über 1000 Menschen sind heute nicht mehr am Leben und über 2000 Menschen wurden schwer verletzt. 

Diese Bilder haben mich zutiefst bewegt und unglaublich geschockt. Mir wurde an diesem Tag klar, dass ich nicht mehr Teil dieses Konsums sein möchte und kein Mensch unter diesen Bedingungen meine Kleidung produzieren soll. So habe ich mich auf eine lange und noch immer andauernde Reise begeben. 


Mit einer ersten „Kleiderschrankausmistaktion“ habe ich diese begonnen. Danach habe ich eine Stilberatung besucht, zahlreiche weitere saisonale Ausmistaktionen durchgeführt, mich intensiv mit natürlichen Fasern und dem „capsule-wardrobe-konzept“ beschäftigt und schlussendlich im Jahr 2020 gar keine Kleidung gekauft, sondern mir eine „selbstnähenstattshoppengehen Challenge“ auferlegt. 

2020 habe ich dann tina, tarla & co. gegründet, um meine Kreativität und meine Zeit noch mehr der Reise zu bewusstem Konsum von fair hergestellter Kleidung zu widmen. Ich designe und nähe ausschließlich nachhaltige Kleidung für die ganze Familie. Besonders am Herzen liegt mir auch meine Arbeit als #stylepartnerincrime, der modernen Stilberatung: denn wenn wir wissen, was uns steht, braucht es nicht mehr viel, sondern einfach nur das Richtige.

♡ Christina